Einzelunternehmen gründen

Die Rechtsform mit dem kürzesten Weg vom Entschluss zur ersten Rechnung.

Stand: August 2026 · geprüft an den geltenden Vorschriften

In zwei Schritten fertig: Gewerbe anmelden, Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen. Freiberufler überspringen den ersten Schritt komplett. Kein Notar, kein Kapital, kein Gesellschaftsvertrag – und mit etwas Glück steht die Steuernummer in drei Wochen.

Der Ablauf

#SchrittWoKosten
1Gewerbe anmelden – entfällt bei freien Berufen Gewerbeamt der Gemeinde, meist online20–65 €
2Fragebogen zur steuerlichen ErfassungELSTER, Pflicht seit 20210 €
3Steuernummer abwartenkommt vom Finanzamt 0 €, dauert 2–6 Wochen
4Bei der Berufsgenossenschaft melden innerhalb einer Woche, PflichtBeitrag je Branche
5Krankenkasse informieren selbst, sonst läuft der falsche Tarif weiter

Die Anmeldung beim Gewerbeamt löst die Meldungen an Finanzamt, IHK oder Handwerkskammer und Berufsgenossenschaft automatisch aus. Was sie nicht auslöst, ist der Fragebogen – den musst du selbst einreichen, und darauf wartet das Finanzamt.

Die Haftung – ehrlich betrachtet

Du haftest mit allem, was du hast. Geschäftliches und privates Vermögen sind dasselbe Vermögen. Es gibt keine Trennlinie, die im Ernstfall hält – auch kein getrenntes Konto ändert daran etwas.

Das klingt dramatischer, als es für die meisten ist. Entscheidend ist, welches Risiko dein Geschäft überhaupt erzeugt:

Eine Versicherung ist fast immer die billigere Antwort auf Haftung als eine UG – sie zahlt, statt nur zu begrenzen. Die UG begrenzt den Schaden auf das Gesellschaftsvermögen, und das ist im Zweifel genau das Geld, das du zum Weitermachen bräuchtest.

Ab wann das Handelsregister ruft

Ein Einzelunternehmen wird zum eingetragenen Kaufmann (e.K.), wenn der Betrieb „einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert“ – § 1 HGB. Feste Zahlen nennt das Gesetz nicht; in der Praxis fragen die Registergerichte nach Umsatz, Mitarbeiterzahl, Warenlager, Zahl der Geschäftsvorfälle und Kreditvolumen.

Als grobe Hausnummer gilt ein Jahresumsatz ab etwa 250.000 bis 400.000 € zusammen mit Personal und Lager. Ein Dienstleister ohne Angestellte ist auch bei 200.000 € Umsatz in aller Regel kein Kaufmann.

Freiwillig eintragen lassen kann sich jeder – dann gilt allerdings sofort das komplette Handelsrecht: Bilanzpflicht, kürzere Rügefristen, strengere Formvorschriften. Das ist selten ein Gewinn. Was die Eintragung praktisch bedeutet, steht auf Handelsregister.

Was dich das laufend kostet

PostenPro JahrAnmerkung
IHK-Beitrag0 € in den ersten zwei Jahren bei Gewerbe; siehe IHK-Beitrag
Berufsgenossenschaftab rund 100 € Pflicht, auch ohne Angestellte
Krankenversicherungab rund 3.300 € der größte Posten; siehe Krankenversicherung
Steuerberater0–1.200 € bei EÜR verzichtbar, sobald es kompliziert wird nicht mehr
Buchhaltung / Rechnungen0 € der Generator reicht für die Rechnungsseite

Die Reihenfolge überrascht viele: Die Krankenversicherung kostet ein Vielfaches von allem anderen zusammen. Wer den Stundensatz kalkuliert, ohne sie einzurechnen, rechnet falsch – der Stundensatz-Rechner nimmt sie mit.

Der Firmenname

Ohne Handelsregistereintrag darfst du keinen frei erfundenen Firmennamen als offiziellen Namen führen. Auf Rechnungen, im Impressum und in Verträgen muss dein Vor- und Nachname stehen – § 15b GewO und § 5 DDG.

Erlaubt ist ein Geschäfts- oder Etablissementbezeichner daneben: „Buchbinderei am Wall – Inh. Marie Schulz“ geht, „Buchbinderei am Wall GmbH“ ohne GmbH ist strafbar. Mehr dazu auf Firmenname finden.

Die erste Rechnung kommt schneller, als du denkst.

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Häufige Fragen

Was kostet die Gründung eines Einzelunternehmens?

Bei einem Gewerbe die Anmeldegebühr, je nach Gemeinde 20 bis 65 €. Bei einem freien Beruf gar nichts – dort entfällt die Gewerbeanmeldung ganz.

Brauche ich ein Geschäftskonto?

Gesetzlich nicht. Praktisch ja, weil die Trennung die Buchhaltung erst beherrschbar macht und viele Banken private Konten für gewerbliche Umsätze in ihren AGB ausschließen. Details auf Geschäftskonto.

Muss ich eine Bilanz erstellen?

Nein, solange du nicht im Handelsregister stehst und unter den Grenzen des § 141 AO bleibst – 800.000 € Umsatz und 80.000 € Gewinn. Darunter genügt die Einnahmenüberschussrechnung. Siehe EÜR oder Bilanz.

Kann ich ein Einzelunternehmen nebenberuflich führen?

Ja, das ist der häufigste Fall überhaupt. Zu beachten sind die Grenzen der Krankenkasse und die Anzeigepflicht gegenüber dem Arbeitgeber – siehe nebenberuflich selbstständig.

Wie melde ich ein Einzelunternehmen wieder ab?

Mit der Gewerbeabmeldung beim selben Amt, meist kostenlos oder für wenige Euro, und einer formlosen Mitteilung ans Finanzamt. Die Aufbewahrungspflichten laufen weiter: Rechnungen acht Jahre, der Rest der Unterlagen bis zu zehn Jahre.

Rechtsgrundlagen

Diese Seite stützt sich auf folgende Vorschriften. Wir nennen sie, damit du selbst nachlesen kannst – nicht als Ersatz für eine Beratung im Einzelfall.

Diese Seite gibt den Stand vom August 2026 wieder und erklärt die Regel, nicht deinen Fall. Gründung berührt Steuer-, Sozial- und Gewerberecht auf einmal – für die verbindliche Auskunft sind Steuerberatung, Kammer und die zuständige Behörde da.

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