„Kleingewerbe“ ist keine Rechtsform
Warum das wichtig ist: Wer nach „Kleingewerbe“ sucht, findet Seiten, die zwei verschiedene Dinge vermischen. Die Rechtsform bestimmt Haftung, Kapital und Buchführung. Die Kleinunternehmerregelung bestimmt nur, ob du Umsatzsteuer ausweist. Beides entscheidest du getrennt, und beides kann sich unabhängig voneinander ändern.
Die fünf Fragen
| Frage | Wenn ja |
|---|---|
| 1. Gründest du allein? | Nein → GbR (mit Partnern, ohne Kapital) oder GmbH. Ja → alles offen. |
| 2. Kann ein einzelner Fehler dich ruinieren? | Ja → UG oder GmbH. Typisch bei Bau, Beratung mit Vermögensbezug, Produkten, Lebensmitteln, Veranstaltungen. |
| 3. Brauchst du Geld von außen? | Ja → GmbH. Investoren und Beteiligungen brauchen Geschäftsanteile; die gibt es nur bei Kapitalgesellschaften. |
| 4. Übst du einen freien Beruf aus? | Ja → Einzelunternehmen oder Partnerschaftsgesellschaft. Keine Gewerbeanmeldung, keine Gewerbesteuer. Siehe Freiberufler oder Gewerbe. |
| 5. Willst du ohne Notar starten? | Ja → Einzelunternehmen oder GbR. UG und GmbH gehen nur über den Notar. |
Wer bei allen fünf Fragen bei „nein“ landet, gründet ein Einzelunternehmen – und das ist die richtige Antwort, nicht die bequeme.
Der Vergleich in einer Tabelle
| Rechtsform | Kapital | Haftung | Gründungskosten | Buchführung |
|---|---|---|---|---|
| Einzelunternehmen | keins | voll, auch privat | 0–65 € (Gewerbeamt) | EÜR |
| GbR / eGbR | keins | voll, alle Gesellschafter gesamtschuldnerisch | 0–65 €, als eGbR rund 150 € mehr | EÜR |
| UG (haftungsbeschränkt) | ab 1 €, praktisch 1.000 €+ | auf das Gesellschaftsvermögen | ab rund 300 € mit Musterprotokoll | Bilanz + Offenlegung |
| GmbH | 25.000 €, davon 12.500 € eingezahlt | auf das Gesellschaftsvermögen | ab rund 700 €, mit eigenem Vertrag deutlich mehr | Bilanz + Offenlegung |
| Partnerschaftsgesellschaft (PartG) | keins | voll; als PartG mbB für Berufsfehler beschränkt | Notar + Register | EÜR |
| GmbH & Co. KG | über die Komplementär-GmbH | beschränkt | zwei Gesellschaften, entsprechend teuer | Bilanz |
Die Partnerschaftsgesellschaft steht ausschließlich Freiberuflern offen. Die GmbH & Co. KG ist eine Steuergestaltung für Fortgeschrittene – wer bei der Gründung darüber nachdenkt, braucht ohnehin eine Beratung und keine Website.
Was die Rechtsform nicht entscheidet
- Ob du Umsatzsteuer ausweist. Das entscheidet § 19 UStG, und der gilt für alle Rechtsformen gleich – auch eine UG kann Kleinunternehmerin sein.
- Ob du seriös wirkst. Das „GmbH“ hinter dem Namen beeindruckt weniger, als Gründer glauben. Eine UG mit 1 € Stammkapital signalisiert im Zweifel das Gegenteil – das Kapital steht im Handelsregister und ist für jeden einsehbar.
- Ob du Mitarbeiter einstellen darfst. Das darf jede Rechtsform, auch das Einzelunternehmen. Siehe ersten Mitarbeiter einstellen.
- Wie hoch deine Einkommensteuer ausfällt – jedenfalls nicht so einfach, wie oft behauptet. Bei Gewinnen unter etwa 60.000 € ist die GmbH steuerlich meist teurer, nicht billiger, weil Geschäftsführergehalt und Ausschüttung zweimal belastet werden.
Was die Rechtsform sehr wohl entscheidet
| Folge | Personengesellschaft & Einzelunternehmen | UG & GmbH |
|---|---|---|
| Gewerbesteuer | Freibetrag 24.500 € auf den Gewerbeertrag | kein Freibetrag – ab dem ersten Euro |
| Gewinnentnahme | frei, jederzeit | nur als Gehalt oder Ausschüttung, beides formal geregelt |
| Jahresabschluss | EÜR, formlos | Bilanz, plus Offenlegung im Unternehmensregister |
| Laufende Kosten | nahe null | Steuerberater für die Bilanz, realistisch 1.000–2.500 € im Jahr |
| Wechsel der Beteiligten | umständlich | Anteile werden übertragen |
Die Zeile, die am häufigsten übersehen wird, ist die letzte Spalte der ersten Zeile: Kapitalgesellschaften haben keinen Gewerbesteuer-Freibetrag. Bei 30.000 € Gewinn sind das je nach Hebesatz schnell 3.500 € Unterschied – jedes Jahr.
Später wechseln ist normal
Die Rechtsform ist keine Tätowierung. Der übliche Weg sieht so aus:
- Einzelunternehmen → GmbH, wenn Haftung oder Investoren dazukommen. Geht über Einbringung oder Neugründung mit Betriebsübertragung.
- UG → GmbH, sobald die gesetzliche Rücklage 25.000 € erreicht hat. Das ist genau so vorgesehen – die UG ist als Vorstufe gebaut.
- GbR → eGbR, sobald ihr eine Immobilie kauft oder euch an einer GmbH beteiligt. Dann wird die Eintragung praktisch zur Pflicht.
Alle drei Wege kosten Notar und Steuerberater, aber keiner ist eine Katastrophe. Die falsche Reihenfolge dagegen schon: eine GmbH zu gründen, bevor klar ist, ob das Geschäft trägt, bedeutet vier Jahre Buchhaltungskosten für ein Unternehmen, das nie Umsatz gemacht hat. Und die Liquidation einer GmbH dauert mindestens ein Jahr.
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Erste Rechnung schreiben – kostenlosHäufige Fragen
Welche Rechtsform ist die günstigste?
Das Einzelunternehmen. Es kostet außer der Gewerbeanmeldung nichts, braucht keinen Notar, keine Bilanz und keinen Jahresabschluss zur Offenlegung. Freiberufler zahlen nicht einmal die Gewerbeanmeldung.
Schützt mich eine UG wirklich vor Haftung?
Vor Geschäftsschulden ja, vor drei Dingen nicht: Banken verlangen bei kleinen Gesellschaften fast immer eine persönliche Bürgschaft, für eigene Pflichtverletzungen haftet der Geschäftsführer persönlich, und Steuern und Sozialabgaben werden bei verspäteter Abführung ebenfalls persönlich eingefordert.
Gegen Berufsfehler hilft ohnehin keine Rechtsform, sondern eine Berufshaftpflicht.
Brauche ich für eine GbR einen Vertrag?
Rechtlich nein – die GbR entsteht, sobald zwei Personen einen gemeinsamen Zweck verfolgen, notfalls per Handschlag. Praktisch ja: Ohne Vertrag gilt das Gesetz, und das verteilt Gewinne nach Köpfen, verlangt für fast alles Einstimmigkeit und regelt den Ausstieg auf eine Art, die selten jemand will.
Kann ich als Freiberufler eine GmbH gründen?
Ja. Damit wirst du allerdings gewerbesteuerpflichtig, denn eine GmbH ist kraft Rechtsform Gewerbebetrieb – der Freiberufler-Vorteil geht verloren. Für Freiberufler mit Haftungsbedarf ist die Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkter Berufshaftung (PartG mbB) meist der bessere Weg.
Was ist mit der Limited?
Seit dem Brexit ist die britische Limited in Deutschland keine tragfähige Konstruktion mehr – bestehende Gesellschaften wurden vielfach wie Einzelunternehmen oder GbR behandelt, mit voller Privathaftung. Wer heute noch eine Ltd. angeboten bekommt, sollte den Anbieter wechseln.
Rechtsgrundlagen
Diese Seite stützt sich auf folgende Vorschriften. Wir nennen sie, damit du selbst nachlesen kannst – nicht als Ersatz für eine Beratung im Einzelfall.
- § 705 ff. BGB – Gesellschaft bürgerlichen Rechts, seit dem MoPeG neu gefasst
- § 5a GmbHG – Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) und Rücklagenpflicht
- § 5 GmbHG – Stammkapital der GmbH
- § 11 Abs. 1 Nr. 1 GewStG – Freibetrag für Einzelunternehmen und Personengesellschaften
- § 18 EStG – Einkünfte aus selbstständiger Arbeit – die freien Berufe